Lundi überall!

 

Vogelrätsel
Auf vier Bildern oben sieht man keine Papageientaucher, sondern Trottellummen. Siehst du, auf welchen? Beide Vogelarten gehören zur Familie der «Alken».

Knifflig! Der Felsvorsprung, auf dem der Papageientaucher landen will, ist klein wie ein Handtuch. Also vorsichtig Tempo drosseln, Flügel ausbreiten wie einen Fallschirm uuund – autsch! Das war zu viel Schwung. Hals über Kopf purzelt der Bruchpilot übers das steile Wiesenfleck und kann sich im letzten Moment noch auffangen. Der Papageientaucher ist ein schlechter Flieger, weil er für seine Grösse eigentlich zu schwer ist. Am schönsten finde ich das Muster auf ihrem Papageien-Schnabel.

Lange Zeit war der Papageientaucher Papas Lieblingsvogel. Mama und Papa haben ihn auf ihrer Hochzeitsreise in Island kennengelernt, als sie auf dem Rücken von Islandpferden quer durch die Insel «getöltet» sind. Auf Isländisch heisst der Papageientaucher übrigens «Lundi» (sprich: Lünti). Und wie in Irland kommen sie dort nur an ganz bestimmten Stellen vor. Dort aber in Scharen. Der isländische Hufschmid, der damals mitgeritten ist, konnte ein bisschen Deutsch, und hat dann immer gerufen: «Lundi überall!».

Auf Englisch heissen sie «Puffin». Ich finde, dass dieses Wort irgendwie besser zu den putzigen Vögeln passt als der deutsche Name «Papageientaucher». Auf unserer Wanderung entlang den «Cliffs of Moher» wollen wir unbedingt welche sehen. Sie sind aber nicht einfach zu entdecken. Man verwechselt sie oft mit den Trottellummen. Bei diesen sind aber die Schnäbel und Beine nicht leuchtend orange, sondern schwarz. Am Anfang sieht nur Papa einen, weil er mit dem Feldstecher geübter ist als wir L. Aber dann kommen wir zu einer Felswand, da sitzen ganz viele auf einem Vorsprung mit Gras drauf. Dort können wir sie wunderbar beobachten. «Lundi überall!» rufen wir glücklich.

Text: Lynn
Bilder: Internet

Letzter Abend in Irland

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Und den wollen wir natürlich an einem schönen Ort mit Meersicht verbringen. Wir haben uns dazu über unsere Apps einen netten Camping-Platz ausgesucht. Nach dem Check-in weist uns ein freundliches Mädchen mit dem Fahhrrad auf den Platz ein mit der Bemerkung, dass es bei Regen sumpfig  werden kann. Da wir die Fähre morgen auf jeden Fall erwischen wollen, fahren wir schnell wieder raus. Der zugewiesene Kiesplatz veranlasst uns,  den Camping   fluchtartig wieder  zu verlassen. Eine Stunde und ein paar halsbrecherische Wendemanöver auf engen Strässchen später landen wir hier.  Perfekt!

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If you don’t like the weather…

Video: Steff

Milena

Irgendwie ist mir die Lust zu reisen vergangen, wenn es immer nur regnet und windet und kalt ist und windet und regnet und kalt ist. Der Wind heult lautstark und komponiert zusammen mit dem Regen ein grausames Konzert. Klar man kann natürlich auch drinnen zeichnen und lesen und Filme schauen, aber viel lieber würde ich draussen etwas spielen. Zum Beispiel «Schweinchen in der Mitte» oder «Stock fighten» wie Sil es nennt. Momentan lebe ich ziemlich im Roman, den ich lese: Eragon. Deshalb habe ich mir in einem Tankstellenshop zwei Besenstiele gekauft, um mit ihnen wie mit Schwertern zu kämpfen. Aber da das Wetter nicht mitspielen will, kann ich diese Idee wie ein Staubkorn fortpusten. Zum Glück kann man sich in Irland am Abend immer in einen Pup verkriechen, um sich später mit zufriedenen Gedanken wie ein Engelchen in den Schlaf fallen lassen.

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Nadine

«Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleider!» Das war Steff‘s Motto, solange ich ihn kenne. Und das ist schon ziemlich lange. Seit gestern aber gilt dies für uns nicht mehr. Denn nun hat‘s auch unsern wetterfestesten Outdoorfan umgehauen. Wir sind nun seit drei Wochen hier. Irland… Alle, die es kennen oder noch nicht kennen, geraten ins Schwärmen, wenn sie Irland hören. Und einige, die wir kennen, berichteten von wochenlangen Schönwetterphasen, als sie hier waren. Unsere Bilanz: 21 Tage, davon ein einziger sonniger wunderschöner Tag (siehe Beitrag zu den Cliffs of Moher). Immerhin! Etwa drei Tage, an denen die Sonne häufig schien und an denen es nicht regnete. Dann vielleicht noch drei oder vier Regentage, an denen die Sonne gegen Abend für eine knappe halbe Stunde zum Vorschein kam. So im schmalen Band zwischen Regenwolken und Horizont. Die übrigen vierzehn Tage: Dauerregen mit kurzen Schonzeiten, Sturm und absolut deprimierende Witterung.
Die Iren nehmen’s relativ gelassen – haben sie eine Wahl? Wenn es regnet, unterbrechen sie ihr Programm, stehen kurz unter ein Dach, einen Baum oder einen Schirm. Danach geht es nahtlos weiter. «If you don’t like the weather, wait five minutes», zitiert eine Dame lachend eine irische Weisheit. Soeben hat sie in der Bay von Galway ein Bad im eiskalten Meer genommen. «It’s wonderful!»
Uns aber drückt dieser rekordverdächtige Schlechtwettersommer derart auf die Stimmung, dass sich drängende Fluchtgedanken breit machen. Wir hocken im Camper und haben einen Traumblick auf die Bucht. Theoretisch. Der Campingplatz wird seit Jahren regelmässig mit Awards ausgezeichnet, so wundervoll ist er. Theoretisch. Der Wind pfeift derart stark um den Alkoven herum, dass wir uns anschreien müssen, um uns zu verstehen. Ähm nein, das Schreien ist wohl eher auf die schlechte Laune zurückzuführen, die sich langsam über alles ausbreitet. Niemand hat mehr Lust weiterzufahren, aber auch nicht auszusteigen, nicht mal, um in den nett eingerichteten Aufenthaltsraum zu gelangen, in dem ein heimeliges Torffeuer im Kamin den Gästen ein bisschen Wärme bieten soll.
«Wie lange bleiben Sie?», hat der stolze Besitzer und Gestalter dieses traumhaften Anwesens gefragt, als wir eincheckten. Er ist sich wohl nicht gewohnt, dass Leute hier bereits nach einer Nacht weiterreisen. «Probably because oft the nice weather», tönt es lakonisch auf unsere Antwort. Ja, jetzt scheinen sogar die Iren langsam zuzugeben, dass doch nicht ein ganz so typischer irischer Sommer ist. Auch ihnen geht das Wetter langsam aber sicher auf den Keks.

Und wir warten nicht mehr länger auf den «echten» irischen Sommer. Haben die Fähre vorverschoben. Übermorgen bringt sie uns zurück nach Frankreich. Dort fahren wir auf der Suche nach Sonne und Wärme zurück an unsere geliebte Düne.

Alles mit Stink!

Sodeli, nun ist es an der Zeit, mal etwas über das Innenleben unseres Campers zu erzählen. Sunny nennen wir ihn. Eindeutig ein gälischer Name, in Anlehnung an die ewig scheinende Sonne hier in Irland. Ah, klar, technisch weniger Interessierte oder auch zart Besaitete können diesen Beitrag getrost überspringen. Obwohl… Hast nicht gerade DU dich heimlich gefragt, wie das wohl funktioniert: Am Abend an einen Strandplatz zu fahren, einfach irgendwo wo es schön ist, dort zu parken und alles dabei zu haben, was man für das komfortverwöhnte Leben so braucht? Hier erfährst du es.

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Grob gesagt laufen in Sunny (Baujahr 2001) vier verschiedene Systeme, die miteinander in Wechselwirkung stehen: Diesel, Strom, Gas und Wasser. Beginnen wir mit dem einfachsten, dem Wasser. Sunnys Frischwassertank fasst so um die 100 Liter. Das reicht für wenige Tage bis eine Woche, je nachdem, ob man damit nur das Klo und die zähnegeputzten Mäuler spült, oder ob man auch duschen, Geschirr spülen und Spaghetti kochen will. Der Wasserverbrauch hängt stark davon ab, wo man steht: in der Wildnis oder auf einem Campingplatz, wo es externe Spül- und Waschstationen gibt. Eine kleine batteriebetriebene Wasserpumpe befördert das Wasser vom Tank in die Leitungen und in die Wasserhähne in Küche und Bad. Parallel zum Frischwassertank gibt es einen Abwassertank. Der ist zwar etwas grösser, aber überraschenderweise immer sehr schnell wieder voll. Gestern sogar so voll, dass das Zähneputzwasser nicht mehr ablief. Der Fachbegriff für das Entleeren des so genannten Grauwassers (heisst: Abwasser ohne Fäkalien) heisst «Dumpen» (sprich: Dampen). Das tut man normalerweise in einer dafür vorgesehenen «Dumping Station». Gestern umständehalber bei Nacht und Regen direkt in den Kiesboden auf dem Campingplatz. Natürlich nur so viel, dass das Brünneli im Bad wieder leer läuft.

Strom. Wie Zuhause kommt 220 Volt aus den Steckdosen, wenn man auf einem Camping- oder Stellplatz (das ist quasi ein rudimentärer Campingplatz) irgendwo die eigene Kabelrolle anhängen kann. Wenn wir – wie jetzt gerade – irgendwo an einem wunderschön verregneten Strand stehen, haben wir nur Batteriestrom. Sunny hat zwei Autobatterien, eine im Motor zum Starten (wie jedes Auto) und eine hinten zum Wohnen. Das ist die so genannte Versorgerbatterie. Sobald der Motor läuft oder das Stromkabel extern angeschlossen ist, werden beide Batterien aufgeladen. Mit der Versorgerbatterie hat man Licht. 12 Voltstrom kommt aus diesen runden Zigarettenanzündersteckern; zum Aufladen von Handys und so. Wenn man achtsam lebt, dann reicht die Versorgerbatterie für mehrere Tage. Wenn man jeden Tag eine Strecke fährt, wird sie sowieso immer wieder aufgeladen.

Bei der Stromversorgung könnte man fast endlos «upgraden». So haben Weltenbummler zum Teil Solarzellen auf dem Dach, um die Versorgerbatterie auch ohne Motorgebrauch aufzuladen. Das High-Tech-Reisemobil von Susanne und Jens, die wir unterwegs kennengelernt haben, verfügt über eine schnell ladende Litium-Ionen-Batterie (oder wie die Dinger heissen). Damit können die beiden monatelang «self-contained» (heisst: selbstversorgend) leben und sogar Wasserkocher und Fernseher betreiben. Echt beeindruckend.

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Nun zum Diesel. Ist klar: Um vorwärts zu kommen. Und eben: um die Batterien aufzuladen. Einige Camper haben eine dieselbetriebene Standheizung. Das ist praktisch, weil man Diesel überall auf der Welt kriegt. Aber Sunnys Heizung läuft nur gasbetrieben. Gas ist effizient und sauber. Aber in der Bewirtschaftung nicht in allen Ländern gleich unkompliziert. Die Flaschengrösse muss zum Schrank passen, und die Anschlüsse der Flaschen zu den Gasschläuchen im Camper. Frankreich ist kompatibel. Spanien und Irland nicht. Wir haben es so gelöst: Zwei 7.5 kg Flaschen haben wir aus der Schweiz mitgenommen, und eine dritte haben wir in Frankreich gekauft. In der Hoffnung, dass wir gerade wieder mal in Frankreich sind, wenn diese leer wird. Das scheint zu klappen. Gas brauchen wir zum Kochen, für den Grill, um den Wasserboiler aufzuheizen und für den Kühlschrank. Sunnys Kühlschrank ist übrigens ein absolutes Wunderding: der läuft mit 220 V (Steckdose vom Camping), 12 V (Batterie, dann kühlt er aber nicht aktiv) oder mit Gas. Im letzten Winter hat Sunny einen modernen Gasverteiler gekriegt. Damit dürfen wir auch während der Fahrt den Kühlschrank betreiben oder heizen. Ok, so kalt ist der irische Sommer in diesem Jahr auch wieder nicht. Aber wenn wir in die Skiferien fahren, ist es schon noch praktisch, wenn man am Ende der Fahrt die Kinder nicht tiefgefroren aus dem Camper heben muss…

So, jetzt hätten wir’s glaub ich. Ah, nein, das Ekligste fehlt noch: Die Toilette. Die führt in einen militärgrünen Kanister. Den zu leeren ist immer mein Job (wieso eigentlich?). Und damit dieser Job nicht allzu tödlich ist, gibt man a) vor dem Gebrauch einen zünftigen Schluck einer blauen Chemie-Flüssigkeit rein. In Neuseeland heisst dieser Saft «Liquid Gold». Damit werden die Gerüche neutralisiert und das Papier zersetzt. Und b) haben wir die familieninterne Abmachung, dass wir Sunnys WC nur für das flüssige Geschäft brauchen. Absolute Notfälle ausgenommen.

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Zum Schluss noch kurz zu Sunnys Traummassen: 3.10 Meter hoch, 2.30 Meter breit und 7.30 Meter lang. Mit Anhänger sind’s dann gute 12 Meter. Zum Wenden und Rangieren brauchen wir ausreichend Platz. Das ist nicht auf allen andalusischen oder irischen Bergsträsschen gegeben. Dort muss der Anhänger mit dem Boot drauf dann kurz abgehängt und von Hand gewendet werden. Bis jetzt konnten wir überall wenden, wo wir wollten oder mussten.

Sunnys echte Problemzone ist der lange und tief hängende Schwanz. Ohne Witz jetzt. Das Hinterteil schwenkt an der Aussenseite der Kurve ziemlich aus. Das muss beim Rangieren immer mitgedacht werden. Das Heikelste ist die tief liegende Anhängerkupplung. Sobald die Fahrbahn irgendwie geknickt ist, schrammen wir am Boden. Äusserste Vorsicht also bei Strassenschwellen, unebenem Wiesengelände auf Campingplätzen, Auf- und Abfahrtsrampen von Fähren sowie Löchern auf irischen Strässchen. Nicht immer sorgenfrei. Aber wie sagt doch ein guter Freund von mir jeweils zum Umgang mit Problemzonen: «Ist alles Einstellungssache!»

Text und Video: Steff
Häkel-Fotos: Corinne (und ihr Internet)

Video Soundtrack: Loreena McKennit (Marco Polo)
Alles-mit-Stink-Zitate: Top 10 Schweizer Youtube Videos https://www.youtube.com/watch?v=vgMe8mE_CDs

 

Immer schön…

Oben am Rand der Klippen sitzen etwa fünfzehn Männer, stemmen ihre klobigen Stiefel ins Gras und halten alle zusammen das dicke Hanfseil, das vor ihnen im Nichts verschwindet. Am anderen Ende ist einer angeseilt und baumelt in der Wand. Hundert Meter unter ihm brechen sich tosend die Wellen an den schwarzen Felsen. An seinem Gürtel baumelt ein geflochtenes Körbchen mit Heu drin. Hier legt er die Eier rein, welche er den Papageientauchern und Trottellummen aus den Nestern klaut. Das war früher, als die Bauern hier so arm waren, dass sie kein Risiko scheuten, um ihren Speisezettel ein bisschen aufzubessern.

Heute sind die «Cliffs of Moher» eine der meist besuchten Touristenattraktionen Irlands. Zwar gibt es in Irland noch viel höhere Klippen, aber die sind touristisch nicht erschlossen. Erst als die Felsen nicht mehr ganz so nah, schroff und tief neben dem unbefestigten Trampelpfad abfallen, kann auch Nadine die Wanderung geniessen. Wirklich geniessen, denn es herrscht Kaiserwetter. Und das den ganzen Tag. Das hatten wir noch nie, seit wir in Irland rumtingeln.

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Umso mehr geniessen wir den «Coastal Walk» den Cliffs entlang. Sogar die Dreizehenmöwen scheinen mehr Spass zu haben an ihrem Bad im Ebbe-Tümpel. Es ist einfach schöner, wenn‘s schön ist! In Blau erfreut das Meer mehr als in Grau. Und bei Sonnenschein nervt auch das pubertäre Gemaule fast nicht mehr («Sicher wandere ich keine acht Kilometer, geht’s noch!»).
Irgendwann verliert sich sogar die Angst, dass jederzeit der nächste Regenschauer kommen könnte – out of the Blue quasi. Aber eben, für uns ist das ein absoluter Ausnahmetag. Gerade jetzt nämlich, als ich dies schreibe und das Video schneide, prasselt es wieder dermassen auf das Camperdach, dass man die eigenen Fürze nicht mehr hört. «It comes and goes!» bagatellisiert das ältere Ehepaar auf dem Campingplatz unser Jammern über das Wetter. Tatsache ist aber, dass zumindest für unseren Aufenthalt das «Comes» vor allem auf die Regentage zutrifft, und das «Goes» für den Sonnenschein.

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Nicht immer nur Fischen!

Ihr habt euch sicher schon gefragt, warum wir so oft immer fischen gehen und ob es uns nicht langweilig wird!? Aber das ist eigentlich ein falsches Bild, denn «wir» gehen nicht angeln, nur «sie» gehen angeln. Und was machen wir, Lynn, Mami und ich? Also als erstes – nur damit das klargestellt ist – mich ärgert es, dass Sil und Steff fast den ganzen Tag eine Lücke im Programm suchen, um mit ihren Angelruten zum See, Fluss oder Meer flüchten zu können. Man könnte das Angeln bei ihnen schon fast als Sucht bezeichnen. Lynn sieht es ähnlich: Sie findet es unfair, dass die beiden Jungs immer ihrem Hobby nachgehen können, aber sie selber zum Beispiel nicht Einrad fahren kann, weil ihr Einrad nicht einmal dabei ist. Mami stört es nicht so fest, weil dann hat sie auch mal ihre Ruhe. Und auch ich geniesse manchmal diese freie Zeit, denn dann hält mich nichts davon ab, meine Gedanken in einem Zentangle-Bild einzufangen und aufzuzeichnen. Ich kann das machen, wozu ich gerade Lust und Laune habe: Lesen, Zeichnen, Tagträumen, Basteln… Schlussendlich ist es eigentlich gar nicht so schlimm, wenn die Jungs angeln gehen, denn so kommen wir zu einem leckeren Znacht. Trotzdem würde ich lieber mit der ganzen Familie gemeinsam etwas unternehmen.

Text: Milena
Video: Milena & Steff

 

Brrrrrr !

Nach einer langen Fahrt endlich an einem sehr schönen Campingplatz angekommen, und Papa fragt: «Wer hat Lust zum baden?» Ich habe sofort gesagt: «Ich komme mit!» Aber Silvan hat gesagt: «Ich weiss nicht, ob Papa das ernst meint, weil das Wasser hat nur dreizehn Grad.» Wir haben es später vom Boot aus mit dem Echolot gemessen. Aber Papa meint es wirklich ernst. Neben uns geht eine Irische Familie baden, aber mit Neoprens.
Doch Papa, Milena und ich gehen nur in Badehosen runter an den Strand. Ohne zu zögern, aber ganz langsam gehen wir ins Wasser. Als wir ein bisschen raus gegangen sind, gehen wir auf drei bis zu den Schultern ins kalte Wasser. Es ist eisig, aber in meinem Körper wird es plötzlich heiss.
Übrigens in der Stadt Galway gibt es Leute, die jeden Tag ins Meer baden gehen – auch im Winter bei nur vier Grad Wassertemperatur.

Text: Lynn
Video: Steff

Die Königsdisziplin

«Nice and easy!» und «Don’t bend your wrist!» Das sind die beiden meist gesagten Sätze von Diarmuid, unserem «Flyfishing Teacher» an der «Spiddal Angling School». Als ich heute früh aufgewacht bin, hat Papa zu mir gesagt: «Dort wo wir heute hinfahren, gibt es eine Angelschule. Falls du Lust hättest, könnten wir dort einen Kurs in Fliegenfischen besuchen.» Ich hoffe, noch am selben Tag einen Platz zu bekommen. Schon lange will ich die Königsdisziplin des Angelns erlernen.
Der Fusspfad vom Camping zur Angling School führt durch dichtes Gestrüpp. Ein schmaler Steg bringt uns auf die andere Seite des kleinen Flüsschens, das verheissungsvoll über die Felsen sprudelt. Hier drin hat es Forellen und Lachse, kaum zu glauben! Nein, für heute sei alles ausgebucht, informiert uns die Mutter des Anbieters, aber morgen früh würde es klappen. Der zottige Hund beschnuppert mich neugierig. Der komme immer mit an den Fluss, erzählt die nette Dame. Am Abend kann ich kaum einschlafen, so aufgeregt bin ich.
Vor dem Camping wartet ein Typ in einem silberfarbenen Van. Er trägt eine Sonnenbrille und eine Fliegenfischerweste. «Das muss er sein», sage ich erwartungsvoll zu Papa. Diarmud bringt uns zurück zum Haus, wo wir gestern schon gewesen sind. Zuerst gibt’s etwas Materialkunde. Welche Rute zu welcher Schnur passt und dass man nicht zu viel Geld für die Rolle aufwerfen soll. Eine Rute mit einer top Aktion sei wichtiger als eine teure Rolle.
Endlich geht es ab ans Wasser, um das Werfen zu üben. «In den Fischerfilmen sieht das immer viel einfacher aus», sage ich zu Papa. Wir üben sicher zweieinhalb Stunden, dann sagt Diarmuid: «Lasst uns den Platz wechseln, vielleicht fangt ihr heute sogar noch einen Fisch!» Das Schwierige beim Werfen ist das richtige Timing. Der Schwung der Rute soll die schwimmende Plastikschnur möglichst weit auf das Wasser raus ziehen. Vorne hängt dann an einer dünnen Schnur – dem so genannten Vorfach – die künstliche Fliege.
Ein Lachs, so erklärt uns Diurmuid, packt die Fliege nicht, weil er Hunger hat. Während er vom Atlantik den Fluss hochschwimmt, um oben im See zu laichen, isst er nämlich gar nichts. Er lebt von seinen Fettreserven. Die Fliege schnappt er aus Neugierde, Langeweile oder Ärger. Heute aber beisst nichts, ist halt immer noch Fischen. Und unsere Technik muss noch feiner werden. Für morgen buchen wir die Fortsetzung. «Ich finde es gar nicht so schlimm, dass ich nichts gefangen habe», sage ich zu Papa, als wir wieder zurück sind, «wir sind ja zum Üben gegangen; die Fische kommen später.»
Am nächsten Tag, als wir zu Diarmuid in den Wagen steigen, meint er aufmunternd: «Heute werden wir zuerst versuchen einen Fisch zu fangen, danach werden wir den schwierigsten der Würfe üben, nämlich den Rollwurf.» Papa gelingt es immerhin eine kleine «Browntrout» zu überlisten. Bei mir beisst nichts. Um den Rollwurf richtig zu üben, gehen wir zu einer Stelle, an der die Bäume ziemlich nah ans Ufer wachsen und man deshalb nicht mit dem Überkopfwurfangeln kann. Als Diarmud dann kurz weiter nach oben ging, um nach Fischen Ausschau zu halten, lief bei Papa und mir gar nichts mehr. Mit dem Rollwurf bringen wir die Schnur einfach nicht aufs Wasser raus. Bereits habe ich meinen ersten Frust beim Fliegenfischen. Doch nach einigen Würfen klappt es plötzlich wieder und der Frust ist vergessen. Am Nachmittag dann fahren wir mit dem Camper weiter nach Clifden, wo wir in einem Pub ein Fliegenfischabschluss-Essen geniessen. Danach fiebern wir beim Fussballkrimi Deutschland – Italien mit und sinken todmüde ins Bett. Nice and easy!

Text und Video: Silvan

Trip Schooling

Wer jetzt denkt, «das ist ja kein Problem, ein bisschen Schule machen mit euren drei fleissigen und gut begabten Kids», der darf jetzt gern mal meine Rolle übernehmen. Hört ihr da einen gehässigen Ton heraus? Recht habt ihr, denn zwischendurch bin ich echt entnervt.
Zwei Stunden pro Tag hatten wir abgemacht. Das sollte reichen, um die Leistungsfächer abzudecken. Schnell schon wurde klar, dass wir Englisch etwas stiefmütterlich behandeln werden, da wir in Irland Englisch als Familiensprache pflegen wollten. Minimalprogramm also.
Das tägliche Gejammer will da so gar nicht dazu passen. Waaaas?! Zwei Stunden, das ist viel zu viel. Böses Mami, das 5×2 Stunden Anstrengung pro Woche einfordert. Und dann kommt auch noch Papi mit seinen Texten für den Blog. Ächz und Stöhn. Arme Kinder. Sie sind wirklich bedauernswert. Sie befinden sich an den schönsten Orten Europas und müssen sich im Camper jeden Morgen mit unnötigen Dingen beschäftigen. So dumm auch.
Vehement werden fixe Samstage und Sonntage eingefordert. Dass da auch freie Mittwoche und Freitage dazwischen waren, zählt nicht. Und plötzlich soll Angling School auch als School gelten («Steht ja da: School!»). Ein nicht enden wollendes Gefeilsche um Unterrichtsminuten; Diskussionen, ob der Museumsbesuch als Unterrichtszeit abgebucht werden darf oder nicht, (Nein natürlich nicht, denn das war bereits in der Minimalprogramm-Berechnung abgezogen), Brüllkrisen, wenn etwas nicht grad verstanden wird («Dann sag mir doch einfach wie’s geht, anstatt, dass ich es selber erarbeiten muss!») und am Schluss will man meine Erklärungen gar nicht mehr hören («Lass mich jetzt; so dumm bin ich auch wieder nicht; ich versteh das sowieso nicht…!»)

Und das nennt man Urlaub! Ha! Den muss sich mein Lehrerinnen-Ich täglich hart verdienen.

Text: Nadine
Video: Steff

Morgenkafi

Heute früh, als etwa der fünfte Regenschauer auf das Camperdach prasselt, ist das Gefühl ganz stark da… Ich weiss gar nicht, ob ich das hier einfach so aufschreiben darf. Schliesslich haben wir das Riesenprivileg, als Familie drei Monate durch Europa reisen zu dürfen. Und ausser meiner gebrochenen Zehe und dem verstauchten Daumen, die beide immer noch weh tun, sind wir alle gesund. Wir haben keinen Unfall gehabt, nur  einen kleinen Tütsch beim Manövrieren auf holprigem Gelände. Nicht der Rede wert. Uns ist nichts geklaut worden – einfach (fast) alles paletti. Und wenn man Irland sagt, kommen alle grad ins Schwärmen: «Super Land und: Toll, so ne Europareise mit den Kindern!»

Wenn ich ganz ehrlich bin, hat mich das Gefühl schon gestern beschlichen. Wir hören alle zusammen an einem Hörbuch – Commissaire Dupin aus Concarnau verfolgt gerade eine heisse Spur, als ihn sein Inspecteur Rival anruft und mit einer bretonischen Druidengeschichte volllabert. Ich sitze an einem Bier und blättere im Marco Polo Irlandreiseführer. Ziemlich lustlos, wie ich merke – aber auch das sage ich niemandem. «Der Streckenabschnitt bietet grandiose Aussichten auf die Natur mit Moor- und Heidelandschaften, spektakulären Klippen und schönen Sandstränden.» Das scheint für die ganze Westküste zu gelten, denn ich lese es an verschiedenen Stellen. «Nautisch-rustikale Atmosphäre prägt das Pub im historischen Cottage am Hafen.» Hhm, jedes Pub ist anders, und doch sind alle gleich. Und dann noch die alten Kirchen, und wir hätten Irland beisammen. He, was soll dieses innere Gemotze? Kurz zuvor bin ich doch unten am Fluss gewesen, ganz allein. Nur ich und die Rute und die Forellen. Gleich fünf habe ich an den Haken gekriegt. Ein Traum, dieser Fluss hier. Woher kommt diese Scheissstimmung? Vielleicht bin ich einfach müde. Ich gehe ins Bett und lausche dem Wind, der an unserer Markise rüttelt. Und Commissaire Dupin – noch ungefähr eineinhalb Sätze.
Heute früh beim Aufwachen ist es plötzlich ganz nah und greifbar Ich rieche es förmlich. Dass ich meinen Kafi jetzt grad lieber zu Hause unter der Kiwi Pergola trinken würde. Frühmorgens, wenn die Sonne noch hinter dem Löwen versteckt ist und das Quartier nach Ruhe duftet. Die Katze Ramba würde zweimal um meine Beine streichen und dann auf meinen Schoss springen. Und eigentlich würde ich ganz gern wieder mal mit den Buddies vom Zürisee angeln gehen. Nicht immer ein neues Gewässer antreffen und herausfinden müssen, welche Fische man gerade angelt, wo sie stehen und worauf sie beissen. Denn das ist auf die Dauer recht anstrengend. Und ja – ich würde gerne mal wieder sicher sein, dass das Juli-Wetter auch am Nachmittag noch schön ist, wenn am Morgen die Sonne scheint. Das auch.

So, jetzt ist es raus. Und ihr könnt denken oder schreiben, was ihr wollt.

Text und Video: Steff

If you don't go, you don't have a story!