Alle Beiträge von Silvan

Beides braucht Biss!

Beim Fischen…

  • braucht man oft viel Geduld, bis der Biss kommt.
  • ist es todlangweilig, wenn nichts läuft, und wird es plötzlich spannend, wenn doch etwas läuft.
  • ist es zusammen mit guten Kollegen am lustigsten.
  • braucht es jahrelanges Training, um wirklich gut zu werden.
  • kommt man nur mit guten Lehrern weiter, die einem Tipps geben und Tricks verraten.

Fischen ist eigentlich ein BISS-chen
wie Schule.

Video und Text: Silvan

Forellenzauber

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Auf den ersten Blick sieht dieses Flüsschen nach nichts aus. Auf den zweiten eigentlich auch. Papa und ich haben gut zwei Stunden Zeit, um einen dritten Blick zu werfen. Das ist der, den man nur dann erhält, wenn man mit Wathosen ins Wasser steigt und jeden noch so unscheinbaren Winkel konzentriert abfischt. «Fisch!» ruft Papa schon beim zweiten Wurf. Ich ziehe sogleich nach – und lege noch einen, nein, gleich zwei drauf. 4 : 1 für mich.

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Auf zwei Sachen muss man hier aufpassen. Erstens: Wohin man tritt. Das Wasser ist wie überall in Irland vom Torfboden getrübt. Und so sieht man die tiefen Löcher im Fluss nicht. Wir tasten uns über die glitschigen Felsen auf dem Grund, immer in der Hoffnung, beim nächsten Schritt wieder festen Boden zu spüren. Zweitens: Wohin man wirft. Überall Büsche, Gras, Bäume und algenbewachsene Felsen. Dass unsere Metallblinker (für die Fischer unter uns: Meps, Nummer 2) genau dort landen, wo wir wollen, verdanken wir nur unserer 10‘000fachen Übung.

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11 zu 7 für mich. Aber Papa ist am Aufholen. Er fängt hintereinander zwei schöne Fische, während ich meinen Blinker aus dem Laub eines Ahorns befreien muss. Aber das vielversprechende Loch links hinter dieser kleinen Felsschwelle hat er noch nicht abgeworfen. Das schnapp ich mir. «Fisch!», rufe ich triumphierend. «Wow», meint Papa bewundernd, «du zauberst aber auch aus jedem Scheissloch noch eine Forelle raus!» Die meisten Forellen hier sind recht klein. Diarmuid, unser Guide vom Fliegenfischen hat uns erklärt, wieso. Der Torfboden ist entgegen unserer Annahme sehr arm an Nährstoffen. Deshalb gibt ist im trüben, aber sehr sauberen Wasser wenig Algen. Und damit auch wenig Nahrung in der ganzen Kette. Darum wachsen die Forellen sehr langsam.

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«Biss!» rufe ich kurz darauf noch einmal. Ich spüre heftige Schläge und einen starken Zug in der Rute. «Das ist eine Grosse!» Ich will den Fisch auf keinen Fall verlieren. Aber ich kann ihn nicht einfach so einkurbeln, denn ich angle mit einer sehr feinen Rute. Da braucht es bei schweren Fischen viel Gefühl beim Drill. Endlich ist sie müde. Doch als ich die schöne Forelle zu Gesicht bekomme und nach ihr greifen will, schüttelt sie sich noch einmal heftig, schlägt mir den Haken in den Finger und verschwindet im torfbraunen Wasser. Immer noch 13 zu 11 – für mich. Es frustriert mich, weil ich doch endlich ein Foto mit einer schönen Forelle haben will. Bis jetzt haben wir nur das Fischen genossen. Das Fotografieren stört meistens, weil es einen aus dem «Flow» herausreisst.

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Ich wate ein Stück den Fluss hinauf und mache meinen nächsten Wurf. Schon habe ich den nächsten Fisch am Haken. Diesmal gelingt die Landung. Sie ist nicht so gross wie die letzte. Doch es ist ein guter «Frustvertreiber». 14 zu 11.

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Irgendwann ist der wundervolle Spuk vorbei und wir kriegen keinen Biss mehr hin. Entweder ist die Beissphase vorbei oder wir sind nicht mehr gleich konzentriert wie zuvor. Oder beides. Plötzlich rutsche ich auf einer schlammüberzogenen Felsplatte aus und knalle voll aufs Knie. Tut höllisch weh. Und Papa versucht seinen Blinker aus den Bäumen zu befreien. Eindeutig: Die Konzentration ist weg.
Müde und glücklich gehen wir zurück zum Campingplatz. 14 : 12 für mich. Die vier Forellen, die wir entnommen haben, schmecken köstlich. Sagen jene von uns, die Fisch essen.

Text: Silvan
Fotos: Silvan und Steff
PS: Geschrieben speziell für Peter, der sich soooo nach einer neuen Fischergeschichte sehnt. 😉

Die Königsdisziplin

«Nice and easy!» und «Don’t bend your wrist!» Das sind die beiden meist gesagten Sätze von Diarmuid, unserem «Flyfishing Teacher» an der «Spiddal Angling School». Als ich heute früh aufgewacht bin, hat Papa zu mir gesagt: «Dort wo wir heute hinfahren, gibt es eine Angelschule. Falls du Lust hättest, könnten wir dort einen Kurs in Fliegenfischen besuchen.» Ich hoffe, noch am selben Tag einen Platz zu bekommen. Schon lange will ich die Königsdisziplin des Angelns erlernen.
Der Fusspfad vom Camping zur Angling School führt durch dichtes Gestrüpp. Ein schmaler Steg bringt uns auf die andere Seite des kleinen Flüsschens, das verheissungsvoll über die Felsen sprudelt. Hier drin hat es Forellen und Lachse, kaum zu glauben! Nein, für heute sei alles ausgebucht, informiert uns die Mutter des Anbieters, aber morgen früh würde es klappen. Der zottige Hund beschnuppert mich neugierig. Der komme immer mit an den Fluss, erzählt die nette Dame. Am Abend kann ich kaum einschlafen, so aufgeregt bin ich.
Vor dem Camping wartet ein Typ in einem silberfarbenen Van. Er trägt eine Sonnenbrille und eine Fliegenfischerweste. «Das muss er sein», sage ich erwartungsvoll zu Papa. Diarmud bringt uns zurück zum Haus, wo wir gestern schon gewesen sind. Zuerst gibt’s etwas Materialkunde. Welche Rute zu welcher Schnur passt und dass man nicht zu viel Geld für die Rolle aufwerfen soll. Eine Rute mit einer top Aktion sei wichtiger als eine teure Rolle.
Endlich geht es ab ans Wasser, um das Werfen zu üben. «In den Fischerfilmen sieht das immer viel einfacher aus», sage ich zu Papa. Wir üben sicher zweieinhalb Stunden, dann sagt Diarmuid: «Lasst uns den Platz wechseln, vielleicht fangt ihr heute sogar noch einen Fisch!» Das Schwierige beim Werfen ist das richtige Timing. Der Schwung der Rute soll die schwimmende Plastikschnur möglichst weit auf das Wasser raus ziehen. Vorne hängt dann an einer dünnen Schnur – dem so genannten Vorfach – die künstliche Fliege.
Ein Lachs, so erklärt uns Diurmuid, packt die Fliege nicht, weil er Hunger hat. Während er vom Atlantik den Fluss hochschwimmt, um oben im See zu laichen, isst er nämlich gar nichts. Er lebt von seinen Fettreserven. Die Fliege schnappt er aus Neugierde, Langeweile oder Ärger. Heute aber beisst nichts, ist halt immer noch Fischen. Und unsere Technik muss noch feiner werden. Für morgen buchen wir die Fortsetzung. «Ich finde es gar nicht so schlimm, dass ich nichts gefangen habe», sage ich zu Papa, als wir wieder zurück sind, «wir sind ja zum Üben gegangen; die Fische kommen später.»
Am nächsten Tag, als wir zu Diarmuid in den Wagen steigen, meint er aufmunternd: «Heute werden wir zuerst versuchen einen Fisch zu fangen, danach werden wir den schwierigsten der Würfe üben, nämlich den Rollwurf.» Papa gelingt es immerhin eine kleine «Browntrout» zu überlisten. Bei mir beisst nichts. Um den Rollwurf richtig zu üben, gehen wir zu einer Stelle, an der die Bäume ziemlich nah ans Ufer wachsen und man deshalb nicht mit dem Überkopfwurfangeln kann. Als Diarmud dann kurz weiter nach oben ging, um nach Fischen Ausschau zu halten, lief bei Papa und mir gar nichts mehr. Mit dem Rollwurf bringen wir die Schnur einfach nicht aufs Wasser raus. Bereits habe ich meinen ersten Frust beim Fliegenfischen. Doch nach einigen Würfen klappt es plötzlich wieder und der Frust ist vergessen. Am Nachmittag dann fahren wir mit dem Camper weiter nach Clifden, wo wir in einem Pub ein Fliegenfischabschluss-Essen geniessen. Danach fiebern wir beim Fussballkrimi Deutschland – Italien mit und sinken todmüde ins Bett. Nice and easy!

Text und Video: Silvan

Mordshecht

«Biss», rufe ich Papa zu, «ich glaube ein Hecht! – Oh Mann, verloren!» Also werfe ich noch einmal in die Box vom Hafen am Lough Ree. Und prompt kriege ich wieder einen heftigen Biss. Ich rufe zu Papa: «Ich brauche deine Hilfe bei der Landung; komm wir machen eine Handlandung!» Die Bremse surrt und der Fisch zieht Schnur von der Rolle. Ich habe Angst, dass der Hecht um die Pfosten der Stege schwimmt und dann meine dünne Schnur reisst, wie bei den fünf Hechten die ich vorher schon am Band hatte. Eigentlich angeln wir hier auf Barsche (Egli), die wir mit unserer ausgefeilten Zürisee-Technik reihenweise überlisten. Und deshalb fischen wir mit ganz feinem Geschirr. Und wenn dann ein Hecht den Köder  in sein Schnabelmaul voller spitzer Zähne bekommt, kann es schnell passieren, dass die Angelleine durchgeripscht wird.
Auf einmal kommt ein schlanker und muskulöser Körper aus der Tiefe und wir bekommen den Fisch zu Gesicht. Das Wasser ist hier vom Torfboden bräunlich gefärbt und ziemlich trüb. Deshalb sieht man die Fische erst ganz am Schluss des Drills. Wunderschön gezeichnet ist er! Ich kann’s kaum erwarten, den Hecht von ganz nahe zu bewundern. Doch aus den letzten Malen habe ich gelernt, dass ich erst dann locker lassen darf, wenn ich den Fisch sicher in der Hand habe.
Als Papa den Fisch landen will, springt er plötzlich noch einmal aus dem Wasser und schüttelt sich. Ich habe schon Angst, dass ich ihn wieder verlieren könnte. Doch die Schnur hält und der Haken sitzt. Jetzt kann Papa den Fisch mit einem beherzten Nackengriff  landen. Ich bin so stolz, endlich meinen ersten Irlandhecht in den Händen halten zu können. Nach einem High-Five und einem kurzen Fotoshooting darf mein «Esox» wieder schwimmen. Zufrieden sage ich zu Papa: «So kann es weitergehen!»

Text und Video: Silvan

 

Seemanns- und andere Knoten

Wenn wir heute schon nur in Concarneau herumhängen und über Commissaire Dupin witzeln, dann muss schon noch was seglerisch Nützliches dabei herauskommen. So hat wohl Loïck gedacht. Seine unmissverständliche Bemerkung zu den Hafenseglern haben wir schon gestern zur Kenntnis genommen. «Wir üben jetzt Knoten». Oh Mann, das kann ja heiter werden. Ich und Knoten – ein hoffnungsloser Fall. Mein räumliches Vorstellungsvermögen ist lausig. Das Ganze oben, unten, rechts und links rum überfordert mich komplett. Der einzige Knoten, den ich wirklich kann, ist der 8er, denn ohne den befindet man sich beim Klettern schnell mal im freien Fall. Den Mastwurf auf Slip, für das Befestigen der Fender, den ich letztes Jahr richtig gut konnte, habe ich bereits wieder völlig vergessen. Bei allen anderen Knoten hat sogar Steffs Begeisterung für Knoten in den letzten 20 Jahren bei mir gänzlich versagt.
Loïck schüttelt den Kopf und meint selbstbewusst: «Warte nur bis ich dir meine Technik zeige! Die ist unfehlbar.» Ja, ja, seine Technik vielleicht, aber er kennt mich noch nicht.
Also Zeigefinger auf die Seilenden, mit den Zeigefingern die Seitenenden übers Kreuz schlagen, mit dem rechten Zeigefinger das eine Seilende mit einer halben Drehung durch die Schlaufe schieben, die dabei entstehende neue Schlaufe zwischen linken Daumen Zeigefinger festhalten. Mit der rechten Hand das andere Seilende unter das linke Seilende durchnehmen, von oben nach unten durch die Schlaufe ziehen…et voilà! Ich lach mich tot. Aber nicht lange, denn bereits beim dritten Versuch klappt’s. «Und jetzt mit der linken Hand!» Als Erste der Familie gelingt mir der Pal Stek mit links. Wow. Die Technik hat’s in sich.

Video: Silvan
Text: Nadine

Steff: Loïck, wie nimmst du dein Pal Steak?
Loïck: Seignant, s’il te plaît!   😉

Mit Sergio am Guadalquivir

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«Immer wieder mal fängt man hier einen Bass», meint Sergio (sprich: «Serchio») aus Sevilla aufmunternd. Als wir von unserer Sightseeing-Tour in der Stadt zurück radeln, entdecke ich unterhalb der Brücke über den Guadalquivir einen Fischer. Wir sehen auf den ersten Blick, dass es ein Spinnfischer ist. Das bedeutet: Einer wie wir. Wir klettern den Hang hinunter und Papa fragt ihn auf Spanisch auf was er angle. Als er antwortet «auf Blackbass», sind Sergio und wir schnell Freunde. Ich will so schnell wie möglich meine Angelsachen aus dem Camper holen und meine Köder auswerfen. Doch ich denke mir: «Ich glaube nicht, dass ich etwas fangen werde. Black Bass Fischen ist schwierig. Aber probieren geht über Studieren.» Schliesslich packe ich mir ein paar Wobbler, eine Drop-Shot-Montage und die sensible Sakura-Rute, die wir noch kurz vor der Reise auf Ricardo gekauft haben.

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Kurz darauf mache ich meinen ersten Wurf. Es gibt an meiner Angelstelle einen ziemlich hohen Steg, unter den ich ein paar Mal werfe. Doch dort ist nichts. Also schmeisse ich meinen Köder mal in die andere Richtung. Nach einigen Würfen habe ich immer noch keinen Biss. «Ich will weiter», denke ich. Doch da Papa auch noch kommen will, und wir beim ersten Steg abgemacht haben, muss ich dort noch ein bisschen weiter angeln. Plötzlich höre ich ein Platschen und sehe, dass ein Black Bass gesprungen ist. Kurz darauf trifft mein Wobbler an der Stelle, wo ich das Platschen gehört habe, auf der Wasseroberfläche auf. Ich ziehe meinen Köder ziemlich nah am Ufer entlang und denke aufgeregt: «Wann kommt Papa endlich?» Noch in Gedanken versunken spüre ich plötzlich einen heftigen Biss in der Angel. Ich schlage an. Und wirklich: Der Fisch hängt. Es ist kein spektakulärer Drill, aber trotzdem bin ich überdimensional aufgeregt, da ich meinen ersten Black Bass unbedingt an Land bringen will. Als ich den Bass lande, greif ich sofort zu meinem Handy, um den Bass zu fotografieren. Ich bin so aufgeregt, und zittere so, dass ich kaum das Handy ruhig halten kann, um ein anständiges Foto zu schiessen. Ich schicke das Foto sofort an Papa und teile ihm mit, dass er sofort kommen soll. Ich bin einfach nur über glücklich.

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Sergio, Papa und ich angeln zu dritt vom gleichen Steg aus. Ein traumhafter Fischerabend. Was ich dort bemerkt habe ist: Für den Black Bass muss man praktisch gleich angeln, wie für den Egli bei uns im Zürichsee. Von Sergio bekommen wir ein paar super lokale Tipps. Spinnfischer in allen Ländern verstehen sich gut. Schliesslich geht es bei uns allen ums Selbe: Schlauer sein als der Fisch, und ihn an den Haken zu locken.

Text: Silvan

Fische im Rio Guadalquivir?

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Neben unserem Camperstellplatz in Sevilla fliesst der Fluss Guadalquivir, der breit genug für riesengrosse Frachtschiffe ist, die vom Meer heraufkommen. Nachdem Kolumbus Amerika entdeckt hatte, wurde Sevilla zum bedeutendsten Hafen Europas für den Handel mit der neuen Welt.
Doch als Fischer frage ich vor allem, welche Fische heutzutage im Rio Guadalquivir schwimmen – und wie man sie fangen kann. Ein Aquariumsbesuch brachte mir die Antwort – mindestens auf die erste Frage. Dort befanden sich nämlich zwei Aquarienbecken, die den Lebensraum des örtlichen Flusses darstellten. Im einen gab es die ursprünglich heimischen Fischarten vom Guadalquivir und im anderen die eingeführten Fischarten. Im ersten Becken, das mit den einheimischen Fischen, schwammen nur Störe und Aale. Im zweiten Becken, in dem von den eingeführten Fischarten, war die Artenvielfalt allerdings um einiges grösser. Dort schwammen Karpfen, die alle mindestens 2 Kilo wogen, sowie riesige Regenbogenforellen, (so grosse habe ich bis jetzt erst in Neuseeland gesehen). Als ich die gesehen habe, fragte ich mich, kann das überhaupt sein, denn ich hatte das trübe, braungrüne Wasser vom Fluss gesehen. Forellen leben eigentlich nicht im trüben, sondern im sehr klaren Wasser von Bächen oder Bergseen. Doch Recherchen bestätigten die Forellen im Guadalquivir. Einen grossen Sonnenbarsch entdeckte ich auch noch. Dass Barben vorkommen, erstaunt mich weniger, denn die leben gerne in so trüben Gewässern.

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Eine Fischart, die es in vielen Süssgewässern Spaniens gibt, interessierte mich ganz besonders. Die Angler unter uns haben es vielleicht schon erraten. Genau, es ist der Schwarzbarsch – der begehrte Black Bass! All diese Fische schwimmen vor unserem Camper und warten sicher schon ungeduldig darauf, mir an den Haken zu springen. Vor allem der Black Bass, auf den habe ich es speziell abgesehen.

Text: Silvan

Camp Nou: Eindrücke aus dem Stadion meiner Träume

Im letzten Moment haben wir gemerkt, dass wir online nur einen Gutschein für die Tickets gekauft hatten. Mit diesem mussten wir in einem kleinen Veloladen in der Altstadt von Barcelona die Eintrittskarten für Camp Nou abholen. Mit dem Velo fuhren wir dann Dreiviertelstunden quer ans andere Ende der riesen Stadt und konnten endlich ins Stadion meines Lieblingsclubs eintreten: FC Barça – mehr als ein Club!

Text und Video: Silvan

1899: Der Gründer von FC Barcelona war ein Schweizer!

Als wir im Museum des FC Barcelona  in den dunkeln Gang mit den Informationstischen eintraten, lasen wir am ersten Tisch: Der Gründer des FCBs war ein Schweizer. Er hiess Hans Gamper, stammte aus Winterthur und kam etwa 1890 nach Barcelona. Seine Person hat uns total fasziniert, denn er opferte sein Leben für seine Leidenschaft: Den FCB!
In seinen jungen Jahren war Hans Gamper war ein Sportmultitalent: Er galt als bester Radrennfahrer Zürichs und holte sich auch ein paar Titel beim Tennis. Daneben spielte er auch noch Golf und Rugby. Doch seine Lieblingssportart war und blieb aber der Fussball. Als er noch in der Schweiz lebte, spielte Gamper beim FC Basel und war Mitbegründer des FC Zürich.
Gamper
Trotz Hansens Begabungen für den Sport wollte sein Vater , dass er sich eine normale Berufskarriere aufbaute. Deshalb wurde er mit 20 Jahren nach Spanien zu seinem Onkel geschickt, der in Barcelona lebte. Dieser besorgte ihm eine Stelle als Buchhalter bei einer Bank.
Hans wollte aber lieber Fussball spielen. Und weil er in Barcelona keinen passenden Club fand, gründete er 1899 kurzerhand seinen eigenen: Den heute so berühmten FC Barcelona. Man vermutet, dass Hans Gamper weil er früher beim FCBasel gespielt hatte, die Farben rot und blau des Barçatrikots beim FC Basel abgeschaut hat.
In Spanien hatte Hans Gamper es aber nicht einfach. Vom damaligen Diktator wurde er aus Spanien verbannt, weil er verdächtigt wurde, ein Anhänger der Kämpfer für die Unabhängigkeit Katalaniens zu sein. Gamper durfte nur unter der Bedingung nach Barcelona zurückkehren, dass er keinen Kontakt mit dem FCB mehr pflegte. Das war hart, denn der Club war sein ein und alles. Daneben geriet er in der Wirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre mit seinem Import-Export-Geschäft in Schwierigkeiten. All das brachte ihn zum Verzweifeln und stürzte ihn in eine tiefe Depression. Im Jahr 1930 erschoss sich Hans Gamper in seiner Wohnung. Für den FC Barcelona ist Gamper bis heute ein Held.
Guck dir das Video über Gamper an, das auf SRF gesendet wurde: http://www.srf.ch/kultur/im-fokus/der-archivar/der-schweizer-der-den-fc-barcelona-gruendete-und-daran-zerbrach

Text: Silvan