Ich bin auch ein Backofen!

Für Iris, meine liebe Grill-Nachbarin

Nach 800 km Fahrt in der Abenddämmerung an der Autobahntankstelle noch schnell zwei Fertig-Pizzas kaufen. Als wir ihn aus seiner Kiste nehmen und auf dem Übernachtungsplatz neben dem Camper aufstellen, ist es bereits stockdunkel. Gas anschliessen, Funken geben und schon ertönt das geliebte «Puuuch!» der blauen Flammen. Wir stehen müde um seine wärmende Schale herum, wie die Obdachlosen um das Feuer im Ölfass. Und warten bis die Pizzas knusprig sind. Trinken Bier und Orangina. In der Ferne hört man den Atlantik rauschen.

Gekauft habe ich ihn heimlich. Ohne Absprache und ohne Budget. Die Verkäuferin im Coop Baucenter hat mir einen bereits zusammengebauten erklärt hat. Sie riecht nach altem Schweiss und ich stehe mit dem Rollmeter aufgeregt daneben. Messe zuerst ihn, und dann die graue Utz-Box. Doch, sollte klappen, wenn man für den Gasregler ein Loch in die Plastikbox sägt.

Das Heimkommen mit dem riesigen Karton ist dann etwa so, wie wenn man im Tierheim aus einer Laune heraus den herzigen Hund holt, den sich die Kinder schon so lange gewünscht haben, und ihn eines Abends als Überraschung heimbringt. Die Kids frohlocken, und beim Schatz zieht sich die Stirn in kaum wahrnehmbare Falten. Ihr Blick sagt: «Musste das wirklich sein?!», und ihr Mund: «Unser Camper wird immer schwerer…»

Heute würde sie ihn nie mehr hergeben. Um keinen Preis. Sagt sie selber. Denn in den drei Monaten hat er sich zum Herzstück unserer Reiseküche entwickelt. Angefangen haben wir ganz traditionell: Entrecôtes, Würstchen, vielleicht noch Broccholi oder Kartoffeln. Dann natürlich Fisch, wenn wir welchen gefangen haben. Das kommt öfters vor, als es den einen lieb ist. Fisch ganz, Fisch als Filet. In Klammern der Tipp für Fischfilets: Haut dran lassen, damit das Fleisch nicht auseinanderfällt. Zuerst Fleischseite anbraten, dann die Hautseite knusprig durchbacken. Geht wunderbar auf der eingesetzten Gusseisenplatte. Die habe ich nachträglich im Fachhandel gekauft, zwei Tage vor Abfahrt. Man setzt sie optional anstelle der einen Rosthälfte ein. Ums mit den knappen Worten eines guten Freundes zu sagen: «Hat sich bewährt!»

Sehr bald schon haben wir sein echtes Potenzial entdeckt, die Grenzen der klassischen Grill-Konventionen gedehnt und schliesslich gesprengt. Pizza backen. Oder Focaccias aus selbst gemachtem Hefeteig. Mit bretonischem «Fleur de Sel» und Provence Kräutern bestreut. Oder: Silvan brät vier Pack dicke Scheiben irischen Frühstücksspeck, während Milena in der Bratpfanne aus einem Dutzend Eier Rührei bruzzelt. Wird nach einem Strandmorgen als spätes Frühstück im Hui verputzt. Und die Mannschaft rülpst glücklich-satt. Nicht so toll funktionieren die Cordon-Bleus aus der Gefrierpackung. Die brösmeln irgendwie auseinander und werden trocken. Dafür ist Broccholi der echte Blockbuster geworden. In seine Blümchen geschnitten, mit Olivenöl und Salz beglückt. Direkt und roh auf den Rost, kleinste Flamme. Reissen mir die Mädels jeweils aus den Händen.

Noch kurz zum Technischen; der Vollständigkeit halber. Aufpassen muss man, wenn das Gas bei geschlossenem Deckel zündet, die junge Flamme aber von einem scharfen Windstoss wieder ausgelöscht wird. Merkt man das erst nach ein paar Minuten und drückt dann nochmals auf den Piezzo-Knopf, dann gilt die wichtigste 1.-August-Raketen-Regel: Der Kopf ist das allerhinterste Körperteil. Es ist dann nämlich kein zartes «Puuuch!» mehr, sondern ein trockenes «Bumm!», das den Deckel klappernd in die Höhe knallen lässt. Passiert dir nur einmal.

Was mich total überrascht: Die siebeneinhalb-Kilo Gasflasche von Zuhause hat drei Monate lang hingehalten. Und wir haben extrem oft gegrillt. Jetzt ist sie praktisch leer. Deshalb ist es Zeit, nach Hause zu fahren. Ich freue mich drauf, bald wieder mit Iris zu grillen.

Text und Video: Steff
Videosoundtrack: Coop Grill Soundtrack
https://www.youtube.com/watch?v=ue2dFArVfho

4 Gedanken zu „Ich bin auch ein Backofen!“

  1. Danke euch LX‘ für diesen und alle anderen Beiträge! Oft hatte ich tatsächlich das Gefühl, bei eurer Reise mit dabei zu sein. Gutes Ankommen im Alltag und bis zum nächsten Wiedersehen!

  2. Vielen Dank für die vielen Berichte und natürlich auch für die ausführliche Erklärung des Supergrills.
    Ich freu mich sehr, dass ich endlich nimmer alleine grillen muss.
    Und die musikalische Untermalung hat auch immer gefehlt.
    Gut war nicht immer Grillwetter.
    Aber die gesamte Nido INC freut sich, dass Ihr wieder da seid.
    Lg Iris

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